50 Millionen Nutzer hat Dropbox laut Forbes.com und es werden ständig mehr. Kein Wunder, hat doch Dropbox ein Problem gelöst, das Internet-Nutzer schon länger plagte: Wie tauscht man komfortabel Dateien aus, ohne sie umständlich auf einen FTP-Server zu laden oder per E-Mail zu verschicken – und wie arbeitet man bequem mit mehreren Geräten aber den selben Daten. Dropbox ist das, was Firmen-Mitarbeiter seit Jahren als File-Server kennen – nur halt praktischer und nicht nur für Unternehmen. Der Clou sind nicht die 2 GByte kostenfreien Speicher, sondern die Funktionalität: Auf Mac, Windows, iOS und Android sorgt eine App für das automatische Synchronisieren eines Ordners zwischen beliebig vielen Rechnern. Der Anwender bekommt von allem nichts mit und das macht Dropbox so toll. Konkurrenten wie SugarSync, TeamDrive oder HiDrive von Strato sind einfach nicht so verbreitet bzw. so praktisch.
Nächste Woche könnte Dropbox ernsthafte Konkurrenz bekommen: Das Google Drive – seit Jahren ein Thema in den Blogs – steht offenbar in den Startlöchern. So findet sich unter drive.google.com zwar noch eine Fehlerseite, aber eine korrekt aussehende robots.txt-Datei. Androidnext.de hat in einem Beitrag weitere Beweise geliefert. Demnach belegen Screenshots und Videos, dass Google Drive seit längeren intern genutzt wird. Das spricht dafür, dass Google Drive vom Fleck weg ein sehr ausgereiftes Produkt sein wird – und damit auf Augenhöhe mit Dropbox startet.

Google Mitarbeiter zeigt bei einer Präsentation seinen Mac-Finder mit Google-Drive-Logo
5 GByte umsonst, 100 GByte für 50 US-Dollar/Jahr?
Dropbox ist praktisch, aber wer mit dem kostenfreien Speicherplatz (aktuell 2 GByte, lässt sich mit Empfehlungen auf bis zu 18 GByte anheben!) nicht auskommt, muss tief in die Tasche greifen: 50 GByte Speicherplatz kosten 99 US-Dollar im Jahr, 100 GByte entsprechend 199 US-Dollar. Das Fremium-Geschäftsmodell scheint zu funktionieren, denn Sascha Lobo ist offenbar nicht der einzige zahlende Kunde: 4 Prozent der weltweit 50 Millionen Kunden zahlen laut Forbes.com. Und Google? Google könnte zu einem deutlichen Preisrutsch führen, wenn das Unternehmen die Speicher-Preise von GoogleMail, Picasa und Google Docs übernimmt:

Ist das die Preisliste für Google Drive?
Kurz gesagt: Google-Drive könnte 75 Prozent günstiger sein als Dropbox. Während Dropbox-Kunden für 100 US-Dollar im Jahr 100 GByte Speicherplatz erhalten, bekämen Google-Drive-Kunden womöglich 400 GByte. Und wer nicht so viel Speicherplatz benötigt, könnte einen Teil der Kapazität seinem Google-Mail-Postfach zukommen lassen. Und da Dropbox auf die Infrastruktur von Amazon AWS setzt, kann Dropbox nur begrenzt einen Preiskampf mitmachen: 50 GByte Speicherplatz bei Amazon S3 (North Virginia) kosten im Jahr 67,56 US-Dollar. Dazu kommt der Daten-Traffic, da bleibt wenig Luft für Preisnachlässe.
Ein weiteres Argument für den Erfolg von Google Drive könnte die Integration in andere Dienste sein:
- Anhänge würde Google Mail künftig nicht mehr wirklich an die E-Mail anhängen, sondern direkt auf Google Drive hochladen und von dort zum Download anbieten.
- Empfangene Attachments könnte man in Google Drive speichern und dann zum Beispiel in Google Docs betrachten.
- In Verbindung mit Google Apps – dem kostenpflichtigen Office-Paket mit Mail-Postfach – könnte Google Drive das Speichern von Dokumenten in der Cloud salonfähig machen und Unternehmenskunden könnten klassische File-Server langsam entsorgen.
- Durch die Integration in Google Android würde der Speicherplatz von Android-Smartphones ins unermessliche steigen
Kurz: Google Drive passt sehr gut in das Konzert der bestehenden Google-Dienste.
“Dropbox is a feature, not a product”
Google Drive könnte Dropbox vom Markt fegen. Das Speichern von Dokumenten in der Cloud würde günstiger und die enge Anbindung an andere Google-Dienste könnte den Erfolg von Google Drive weiter befeuern. Vielleicht behält am Ende Steve Jobs recht: Der Apple-Gründer hatte im Dezember 2009 die Dropbox-Gründer eingeladen, weil er ihren Dienst in iCloud integrieren wollte. Doch die Dropbox-Gründer glauben an ihren Erfolg und lehnten an. Kommentar von Steve Jobs: “Dropbox is a feature, not a product”.
Update 24. April 2012: Wie erwartet hat Google heute Google Drive vorgestellt. Allerdings wurde mit der Einführung von Google Drive der Preis für Speicher deutlich erhöht und zwar um bis zu 500 Prozent.