Amazon: Same Day kann auch mal ein paar Tage dauern

Seit ein paar Monaten wirbt Amazon damit, dass Prime-Kunden kostenfrei die Ware noch am selben Tag geliefert bekommen können. Toller Service, der jüngst bei der Bestellung zweier Festplatten gut funktioniert hat. Gestern aber nicht: Ich habe am Samstagmorgen einen neuen Fitness-Tracker (Fitbit Charge 2) bestellt und die Amazon-App versprach eine Lieferung noch am selben Tag zwischen 18 und 21 Uhr. Deshalb wählte ich meine Privatanschrift als Ziel aus, um nicht abends noch zur Packstation fahren zu müssen. Ein Fehler, wie sich kurze Zeit später herausstellte.

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Lesetipp: Die Amazon-Formel

Warum ist Amazon weltweit so erfolgreich? Patrick Breitenbach nennt zehn Argumente, die für ihn die „Amazon-Formel“ ergeben. Darunter: Das Preis-Versprechen, das gigantische Angebot und die versandkostenfreie Lieferung. Ein weiteres Argument ist aus seiner Sicht das zeitlose Design. Amazon ist nicht besonders schön, aber extrem einfach zu bedienen und das seit Jahren.

Vier Argumente gegen E-Books

Vergangene Woche habe ich mich über den Contra-Kommentar in der Neuen Westfälischen aufgeregt. Die These des Autors: Nur mit einem echten Buch kann man mit schönen Frauen ins Gespräch kommen und die Lesezeichen im echten Buch lassen Urlaubserinnerungen aufleben. Ohne Worte.

Was spricht wirklich gegen E-Books? Aus meiner Sicht vier Argumente:

  1. Ein E-Book-Lesegerät ist teuer. Ein Kindle kostet mindestens 99 Euro, dazu kommen 15 Euro für ein Netzteil (wer will das Gerät schon am Computer aufladen) und eine Hülle (rund 30 Euro).
  2. E-Books sind an eine Plattform gebunden: Ähnlich wie bei iTunes kann man bei Amazon die Bücher nicht einfach auf eine andere Plattform mitnehmen oder als PDF abspeichern.
  3. E-Books lassen sich nicht verleihen. Wenn also Freunde oder Kollegen das selbe Buch lesen möchten, kann man es nicht einfach weitergeben. Technisch wäre das sicher problemlos möglich – aber die E-Book-Händler setzen wohl darauf, auf diese Weise die Verkaufszahlen zu erhöhen. Oder räumen ihnen die Verlage die entsprechenden Rechte nicht ein?
  4. E-Book-Lesegeräte brauchen Strom und einen Internet-Zugang. Ok, die Akkulaufzeit erinnert an gute alte Nokia-Geräte, trotzdem muss das Gerät irgendwann an die Steckdose. Zum Herunterladen von Büchern braucht man einen Internet-Zugang, per WLAN oder UMTS.

Kein Contra-Argument ist aus meiner Sicht die Tatsache, dass man auf einem Bildschirm liest: E-Book-Reader sind leichter und dünner als normale Bücher – und das Bildschirm ist dank E-Ink-Technologie deutlich besser für die längere Lektüre geeignet als das iPad.

Verkauf von E-Books in den USA explodiert, Deutschland hinkt hinterher

In den USA waren 2011 rund 15 Prozent der verkauften Bücher E-Books. Der Umsatz verdoppelte sich auf 2 Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro). Das geht aus einer Untersuchung des US-Verlegerverbandes hervor, aus der derStandard.at zitiert.

Deutschland hinkt deutlich hinterher: Laut Handelsblatt.com erwarten die Buchhändler, dass elektronische Bücher rund 1,2 Prozent des Einnahmen ausmachen. Spannend wäre, wie viel Umsatz Amazon inzwischen in Deutschland mit seinen elektronischen Büchern macht. Aber die Zahl gibt der weltgrößte Online-Shop nicht preis.

Computer Bild: Kindle soll Lesegeschwindigkeit auswerten

Jeder, der bei Amazon einkauft, kennt das: Hat man zum Beispiel das Buch eines Autors gekauft, werden kurz darauf weitere Bücher des Schreibers empfohlen. Und interessiert man sich für Krimis, werden einem verstärkt Bücher dieses Genre angeboten. Laut Computer Bild geht Amazon bei den Nutzern des Kindle einen Schritt weiter und erfasst auch, wie schnell ein Buch gelesen wird und an welchen Stellen der Anwender Notizen macht. Etwas merkwürdig klingt allerdings der Tipp, um diese Sammelei zu erschweren: Computer Bild empfiehlt seinen Kunden, nach dem Download des Buches die Datenverbindung zu kappen – oder Gratis eBooks aus anderen Quellen zu beziehen.

Sollte Amazon wirklich die Lesegeschwindigkeit und die Notizen seiner Kindle-User messen, dürfte ein Abschalten der Datenverbindung kaum ein Hemmschuh sein. Das Gerät wäre sicher in der Lage, die Daten offline zu sammeln und bei der nächsten Synchronisation an Amazon zu übertragen. Und spätestens beim nächsten Buchkauf muss man mit dem Gerät eh wieder online gehen.

Spannender finde ich die Frage, warum Amazon die Lesegeschwindigkeit auswerten möchte? Soll so der perfekte Zeitpunkt für die nächste Lese-Empfehlung ermittelt werden? Wenn dem so ist, funktioniert die Technik zumindest bei mir überhaupt nicht: Ich bekomme immer wieder Empfehlungen für Bücher, deren Vorschau ich längst heruntergeladen habe – und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich das vorher gekaufte Buch noch nicht einmal zu 30 Prozent gelesen habe.

Ich habe den Amazon Kundenservice angemailt und gefragt, ob diese Daten wirklich gesammelt werden und wie man dies abschalten kann.

Update: Der Amazon-Kundenservice hat mir auf Anfrage mitgeteilt, dass die Lesegeschwindigkeit nicht gespeichert wird. Amazon synchronisiert nur die zuletzt gelesene Seite, damit Kunden auf anderen Geräten nahtlos weiterlesen können. Diese Einstellung (die übrigens sehr nützlich ist) kann man unter „Mein Konto“ abschalten. Die Notizen werden – auf Wunsch – veröffentlicht und automatisch über mehrere Endgeräte verteilt. Auch das eigentlich eine praktische Funktion. Klingt für mich nach einem falschen Alarm von Computer Bild. Ähnlich wie die Dropbox-Sicherheitslücken. 🙂