Selbst-Publisher dominieren Amazon-Kindle-Verkaufsstatistik

Vorab: Meine Magisterarbeit (2004) trug den Titel „Einfluss des Internets auf die Arbeit von (Literatur-) Autoren“. Eine These damals: „Die Autoren haben mit dem Internet erstmals die Möglichkeit, ihre Werke unter Umgehung des Verlages zu veröffentlichen. Ein Verlag muss in dieser Situation also seine Kompetenz und Marktkenntnis hervorheben, um auch weiterhin Ansprechpartner für Autoren zu sein.

Ein Vortrag von Wolfgang Tischler von Literaturcafe.de zeigt, dass viele Verlage dies nicht verstanden haben: Immer mehr Autoren veröffentlichen ihre Bücher ohne Verlag – zum Beispiel bei Amazon als eBook. Das kostet nichts und gute Bücher bekommen gute Kritiken, was ihren Verkauf ankurbelt.Und weil Amazon 70 Prozent der Verkaufserlöse an den Autor ausschüttet, verdient dieser nicht selten sogar mehr als wenn er sein Buch zu einem deutlich höheren Preis bei einem Verlag veröffentlicht hätte.

Aber warum sehen die Verlage die Gefahr nicht? Tischler argumentiert, dass die normalen Verkaufscharts nur die Verlagstitel präsentieren während die Amazon-Verkaufsstatistik auch Bücher von Selbstpublishern enthalten und diese verkaufen sich – auch aufgrund niedriger Preise – sehr gut. „Wer sein Medienbudget auf Bücher verteilt, wird sich also überlegen, ob er nur ein Buch eines Verlages kauft, das ihn vielleicht enttäuscht, oder für das gleiche Geld besser 10 verschiedene Titel von Selfpublishern.“ Eine kurze Auswertung der aktuellen Top10 für eBook (Samstag, 30. Juni 2012) zeigt: Nur drei Titel sind in einem klassischen Verlag erschienen.

Ich habe selbst in der jüngsten Zeit Bücher für meinen Kindle 3G   geladen, die nicht von einem klassischen Verlag veröffentlicht wurden. Und, was soll ich sagen: Tolle Unterhaltung, die mir ein paar schöne Stunden beschert hat. Und wenn mir mal ein Buch nicht gefiel – jüngst passiert bei Gehirnwäsche Arbeitsamt – nimmt Amazon das Buch innerhalb von Minuten elektronisch zurück und erstattet den Kaufpreis.

Buchverlage sollten die Konkurrenz dringend ernst nehmen, denn sonst übernimmt Amazon die Auswahl und Veröffentlichung der Werke. Gute Werke werden dann von der Masse entdeckt und nicht mehr von Lektoren.

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