Die Facebook-Falle – ein Buch, das nachdenklich stimmt

Natürlich habe ich ein Facebook-Profil und natürlich habe ich dort auch Fotos hochgeladen – und persönliche Informationen veröffentlicht. Trotzdem, oder erst recht deswegen, habe ich mit Interesse das Buch „Die Facebook-Falle“ von Sascha Adamek gelesen. Der Freie Journalist (unter anderem für WDR RBB) beschreibt darin ausführlich, welche Daten Facebook von uns einsammelt und welche Einwilligung wir geben.

Erster Knackpunkt: Alles, was wir bei Facebook hochladen, gehört ab diesem Moment dem US-Unternehmen und kann weltweit und unentgeltlich genutzt und sogar unterlizenziert werden. Heißt: Ladet einmal ein Foto von Facebook herunter und das Unternehmen kann dieses Bild zum Beispiel für Werbung nutzen oder an Dritte weitergeben. Cool, oder?

Auch lustig: Nutzt einer Eurer Freunde die iPhone-App von Facebook, dann bietet die App an, alle Kontakte zu Facebook zu übertragen und so neue Freunde zu finden. Auf diese Weise werden also Daten von Dritten an Facebook übertragen, die dem nicht explizit zugestimmt haben. Und plötzlich wundert sich Nicht-Facebook-Nutzer über Einladungen von Facebook, in denen gleich Freunde aus dem Reallife genannt werden. Laut Sascha Adamek können deutsche Datenschutzbehörden dieses Vergehen ahnden und zwar mit bis zu 30.000 Euro.

Richtig ernst wird es, wenn man bedenkt, welche Rolle Facebook beim „Arabischen Frühling“ gespielt hat: Adamek erzählt in seinem Buch die Geschichte eines Regimegegners, der bei seiner Einreise nach Teheran aufgefordert wurde, sein Facebook-Passwort offen zu legen und im zweiten Schritt seine Freunde identifizieren musste. Tagesschau.de hat die komplette Geschichte: „Markiere die Gesichter deiner Freunde!“ (Seite nicht mehr verfügbar!). Wer jetzt sagt, dass wir in einer Demokratie leben und keine solchen Repressalien vom Staat zu befürchten haben, hat – aus deutscher Sicht – vermutlich recht. Aber wie sieht es in anderen Ländern aus, in denen wir unseren Urlaub verbringen? Mir fallen da sofort die Spielfilme Staatsfeind Nr. 1 und Machtlos ein.

Etwas merkwürdig wird das Buch von Sascha Adamek, wenn er versucht, einen Zusammenhang zwischen Facebook und dem CIA aufzustellen oder wenn er einen erfundenen Chat zwischen Aristoteles, Kant, Schopenhauer und Nietzsche erfindet. Hier scheint es, als hätte der Autor eine gewisse Seitenzahl erreichen müssen. Schade, denn ansonsten stimmt das Buch nachdenklich und ermutigt den Leser, über seine eigenen Facebook-Aktivitäten nachzudenken.

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