Was würde Apple tun? (Buchkritik)

Mit dem Titel „Was würde Apple tun?“ knüpft Dirk Beckmann an das erfolgreiche Buch von Jeff Jarvis („Was würde Google tun?„) an. Nach einem guten Start lässt das Buch jedoch schnell nach und spätestens beim Kapitel „Was bedeutet die mobile Revolution?“ hat der Autor den Titel seines Buches aus den Augen verloren.

Los geht’s mit einem Google-Apple-Vergleich: Beckmann schreibt, dass das Google-Geschäftsmodell einmalig und nicht wiederholbar ist. Der Internet-Riese habe im Bereich der Internet-Werbung ein Quasi-Monopol und könne es sich leisten, dutzende andere Dienste wie Google Mail, Google Reader, Google Plus und Co kostenfrei anzubieten. Apple dagegen sei ein 30 Jahre altes Unternehmen, das direkt Geld mit seinen Produkten verdiene. Die Verschenken-Mentalität von Google hält Beckmann für einen Fehler. Aber verschenkt Google wirklich seine Dienste – oder lässt es sich die Nutzung nur anders bezahlen? Google baut ja deshalb all diese neuen Dienste, um Kunden auf der eigenen Plattform zu halten und ihnen immer neue Adwords-Anzeigen zu präsentieren.

Statt den Kunden unfertige Produkte zu präsentieren, drehe Apple immer wieder Schleifen um am Ende das perfekte Produkt auf den Markt zu bringen. Die Kunden würden beobachtet und ihre Ideen berücksichtigt – aber die Innovation gäbe Apple nicht aus der Hand. Ist Google da wirklich anders? Zeigt nicht Google Plus, dass das Unternehmen vorab genau überlegt hat, wie eine Social-Media-Plattform aussehen soll? Ist Google Mail kein innovatives Produkt, das meilenweit von anderen Diensten entfernt ist? Und ich rede hier nicht vom nahezu unbegrenzten Speicherplatz, sondern von Innovationen wie Labels und Priority Inbox.

Apple-Autos: Einzelmodule zum Selbst zusammenschrauben

Spannender ist da schon der Teil, in dem Dirk Beckmann die Arbeitsweise von Apple beschreibt. Das Unternehmen suche lange nach der richtigen Idee und versuche nicht, immer der Erste zu sein. Die Produkte seien bewusst arm an Funktionen – aber diese sehr gut durchdacht. Und Appple investiere viel Zeit und Geld, um funktionierende Prototypen zu entwickeln, die dann doch nicht auf den Markt kämen, weil sie nicht perfekt seien. Korrekt – aber ist das alles wirklich so neu?

Kopfschütteln verursacht die Lektüre spätestens dann, wenn Dirk Beckmann versucht, das Apple-Modell auf andere Branchen zu übertragen. Demnach wären Autohersteller gut beraten, modulare Autos zu bauen, die der Kunde nach dem Ikea-Prinzip selbst zusammen bauen könne. Bitte was? Ist es nicht gerade ein Erfolgsfaktor von Apple, dass die Computer komplett verkauft werden – und sich nur wenige Käufer überhaupt Gedanken darüber machen, welche Grafikkarte und welche Festplatte eingebaut sind? Das ist doch das Schöne an Apple-Geräten: Man kauft ein iMac, benutzt es ein paar Jahre und tauscht es dann komplett aus – statt die Festplatte oder die Grafikkarte aufzurüsten.

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