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iCloud: Bei Apple gibt es offenbar kein Team-Work

Apple erweitert die Funktionen von iCloud Schritt für Schritt: Mit dem Start von Mountain Lion – der neuesten Version des Mac-Betriebssystems – können die Nutzer nun bequem Dokumente zwischen iOS- und Mac-Geräten synchronisieren. iWork (Pages, Numbers, Keynote) sowie TextEdit speichern Dokumente nun vorzugsweise in der Wolke und bieten die lokale Speicherung nur optional an. Besonders Anfänger dürften so künftig fast alles bei iCloud speichern – ohne sich weiter Gedanken zu machen. Ein Detail macht mich aber stutzig: Synchronisiert werden die Daten nur unter allen Geräten eines (!) Benutzers. “Deine Inhalte. Auf all Deinen Geräten” heißt es auf der iCloud-Seite.

Was fehlt: Teamwork!

Das Internet besteht doch zum großen Teil aus dem Austausch von Content – und dafür fehlen bisher iCloud-Funktionen. Ok, seinen Kalender kann man bequem über iCloud mit anderen Nutzern teilen, aber was ist mit Fotos, Videos und Dokumenten? Dieses Feld überlässt Apple immer noch komplett Anbietern wie Dropbox, Wuala bzw. Google Docs. Dienste wie die Photo Gallery unter MobileMe sowie iWork.com (die iWork-Erweiterung im Web) hat Apple dicht gemacht. Und aktuell bietet Pages nur zwei Möglichkeit, ein iCloud-Dokument an Dritte weiterzugeben: Per Nachricht (iMessage) oder AirDrop verschicken. Wer braucht das? Das Mindeste wäre doch, das Dokument auf Wunsch per E-Mail – am besten direkt mit Umwandlung in ein gängiges Format wie PDF – verteilen zu können. Oder ein Link im Netz – wie es Google Docs vormacht.

Mit iOS 6 (angekündigt für Herbst 2012) will Apple immerhin den Foto-Austausch zwischen iCloud-Nutzern ermöglichen. Wer nicht bei iCloud ist, kann die Fotos dann immerhin im Web betrachten. Bisher gibt es diese Möglichkeit nur recht versteckt in der iPhoto-App für iOS. Wenn man bedenkt, dass Apple iCloud vor knapp einem Jahr gestartet hat ist diese Entwicklung langsam.

Warum ist Apple so langsam?

  • iCloud ist kein Produkt für Firmen sondern ein Dienst für Privatpersonen. Der Austausch von iWork-Dokumenten steht daher weit hinten auf der Roadmap, weil Privatpersonen eher selten Dokumente austauschen. Aber warum hat man dann nicht immerhin sofort eine MobileMe-Ablöse angeboten? Das würde auch erklären, warum iWork seit 2009 kein richtiges Update mehr bekommen hat. Dagegen spricht das gute Ranking der einzelnen iWork-Apps im AppStore für den Mac: Pages steht auf Platz 3, Numbers auf Platz 6 und Keynote auf Platz 7.
  • Vermutlich will man bei iCloud nicht in den MobileMe-Fehler wiederholen: Der .Me-Nachfolger wurde 2008 groß angekündigt, aber der Start war von zahlreichen Pannen überschattet. Steve Jobs soll intern die Entwickler beschimpft haben, weil sie den Ruf Apples geschadet hätten. Die Teamleitung wurde ausgetauscht und der Dienst über Monate kostenfrei angeboten. Mit iCloud soll nun offenbar alles anders werden: Die Funktionen kommen Schritt für Schritt und Apple nimmt in Kauf, dass Konkurrenten interessante Felder besetzen.

Spannende Fragen zum Schluss:

  1. Wie wäre die Geschichte wohl gelaufen, wenn es Steve Jobs geschafft hätte, Dropbox zu übernehmen? Hätte man dann eine iDisk-Weiterentwicklung präsentiert – oder wollte Apple schon damals das klassische Datei-System abschaffen?
  2. Und was ist eigentlich mit TimeMachine in der Cloud? Vermutlich braucht Apple dafür erstmal mit Rechenzentrums-Kapazität. Die Datensicherung in die Cloud zu verschieben wäre dann aber ein logischer Schritt – auch um die Speicherweiterungen von iCloud besser zu verkaufen.
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