Amazon Echo – das Ende des linearen Radios?

Ich muss zugeben: Lange Zeit hielt ich Amazon Echo für ein unnützes Ding. Warum sollte man mit einer Box reden wollen. Anfang November habe ich ein Echo zum Geburtstag geschenkt bekommen und musste meine Meinung binnen weniger Tage revidieren: Es ist interessant zu beobachten, wie praktisch eine Sprachsteuerung ist. Ich erwische mich schon dabei, im Auto mit dem Radio sprechen zu wollen.

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Blog-Parade: Wie träumt Ihr Euch die Medien der Zukunft

Anita Grasse hat auf ihrer Website eine Blog-Parade mit der Frage „Wie träumt Ihr Euch die Medien der Zukunft“ gestartet und hier sind meine Gedanken zu dem Thema.

Vorab: Ich bin ein News-Junkie und deshalb intensiver Twitter-User und RSS-Feed-Leser. Morgens und im Auto läuft das Radio (fast immer SWR3, sonst WDR2 oder WDR5) und tagsüber surfe ich alle paar Stunden zu einigen Nachrichten-Portalen, um die Lage im Blick zu behalten. Abends schaue ich dann häufig das heute journal und einmal in der Woche lese ich den Spiegel – auf dem iPhone.

Personalisierung und On Demand

Trotzdem habe ich häufig das Gefühl, die für mich wichtigen Informationen zu verpassen. Morgens vor dem Aufstehen würde ich gerne eine Zusammenfassung der Nachrichtenlage hören, aber immer wieder werde ich vor oder nach den Nachrichten von unserem Sohn geweckt und verpasse so die 5-Minuten-Nachrichten im Radio.

Wenn ich im Bad bin, interessieren mich primär zwei Fakten: Wie wird heute das Wetter und wie gut komme ich zur Arbeit. Wie genial wäre es, wenn mein Spiegel diese Informationen anzeigen könnte. Idealerweise mit dem Hinweis, dass ich Gas geben sollte, weil ich laut Büro-Kalender um 9.30 Uhr einen Termin habe und die A46 voll ist. Nebenbei könnte mich der Spiegel – oder der Kleiderschrank – darauf hinweisen, dass ich einen wichtigen Termin habe und deshalb Anzug statt Jeans tragen sollte. Heute renne ich des öfteren auf der Suche nach meinem Handy durch die Wohnung, um diese Informationen zu bekommen.

Kurz: Ich möchte die für mich relevanten Informationen zum richtigen Zeitpunkt bekommen, ohne sie gezielt abfragen zu müssen.

Dazu gehört für mich auch, dass ich jederzeit die Möglichkeit habe, mich über bestimmte Themen detaillierter zu informieren – jetzt oder später. Wie praktisch wäre es zum Beispiel, wenn ich im Radio ein kurzes Update zu einem Thema hören würde und die Möglichkeit bekäme, dieses Thema zu abonnieren? Nebenbei wäre die Information auch für Redaktionen interessant, weil man dann ständig wüsste, was die Leute interessiert und ob ein Thema schon „durch“ ist.

Bitte keine Wiederholungen

Ein anderes Ärgernis, das sich hoffentlich lösen lässt: Ich brauche keine Wiederholung ein und der selben Information. Und ich muss bei reinen Fakten nicht mehrere Quellen lesen. Das ist ein Punkt, der mich bei meinem RSS-Reader massiv stört: Taucht irgendwo auf der Welt ein neues Apple-Gerücht auf, liest man davon erst bei Twitter, dann auf US-Seiten und dann – ein paar Stunden oder gar Tage später – liefern deutsche Redaktionen eine Übersetzung ohne weitere Details. Wie praktisch wäre es, wenn eine Software daraus die Originalquelle und zusätzlich Infos aus anderen Quellen zusammenfassen könnte.

Deutsche Zeitung oder australischer Blogger?

Insgesamt 103 Nachrichten-Quellen überwache ich dank RSS-Reader, dazu kommen Tweets von 603 Twitter-Usern. Ob eine gute Nachricht aus einer klassischen Redaktion stammt oder von einem australischen Blogger interessiert mich offen gestanden immer weniger. Entscheidend ist, ob die Information für mich nützlich und der Text gut geschrieben ist.

Bezahlen? Ja, klar!

Ein Dienst, der mir die richtigen Infos zur richtigen Zeit ohne lästige Wiederholungen liefern könnte, würde selbstverständlich von mir auch dafür bezahlt. Auch, weil ich enorm viel Zeit sparen und Komfort hinzugewinnen könnte.

Berufsberatung an meiner Ex-Schule: Twitter und der eigene Blog sind quasi Standard

Sollte man jungen Leuten raten, in den Journalismus einzusteigen – wo doch alle von der Medienkrise sprechen und einige den Tod der klassischen Medien voraussehen? Die Frage habe ich mir am Freitag gestellt, als ich nachmittags in meine Ex-Schule fuhr, um künftigen Abiturienten Fragen rund um den Beruf des  Journalisten zu erklären. Und ist „Was mit Medien“ immer noch ein Berufswunsch?

Welch positive Überraschung

Mehr als zehn Schülerinnern (wo waren die Jungs?) saßen an meinem Tisch und ich hörte mit Freude, dass Twitter, der eigene Blog und der Aufenthalt im Ausland schon fast zum Standard gehören.  Und natürlich waren einige schon bei der Schülerzeitung aktiv – oder basteln zumindest an der Abi-Zeitung. Neben den klassischen Fragen nach dem richtigen Einstieg („Geh in eine Lokalredaktion“ und „Probier alles aus: Print, Radio, TV und Online“) kamen auch zaghafte Nachfragen nach dem Gehalt und nach der Zukunftssicherheit – immer mit dem Einstieg „Meine Eltern …“. Die Frage nach dem Gehalt ist sicher berechtigt und so mancher entdeckt erst im Volo die Tarif-Tabelle des DJV, in der sich – zumindest für die Tarifgebundenen Verlage – genau die Gehaltssteigerungen ablesen lassen. Auch habe ich nicht verschwiegen, dass vor allem junge Journalisten von diesen Gehältern nur träumen können, weil sie als Pauschalist oder freier Journalist mit schlecht bezahlten Auftraggebern leben müssen.

Welche Vorbilder nennt man heute? Zu meiner Zeit hat man davon geträumt, für Die Zeit oder die FAZ zu schreiben, am Freitag habe ich den Schülerinnen empfohlen, sich eher an Leuten wie Richard Gutjahr zu orientieren. Und ich habe ihnen ans Herz gelegt, sich auch außerhalb der Redaktionen in eine Medienhaus umzuschauen und dort Themen wie Suchmaschinenoptimierung, Programmierung und Projektmanagement zu erlernen. Wer das früh versteht, muss sich keine Sorgen machen.

E-Book-Leser sind „unkultiviert, bequem, kontaktscheu und gierig“

Warum sind einige Journalisten so technikfeindlich? Christian Lund – laut Impressum Mitglied der Online-Redaktion der Neuen Westfälischen – schreibt unter der durchaus humorvollen Überschrift „Buchladen statt Buch laden“ (der Text ist leider nicht mehr online!) ein Plädoyer für das gedruckte Buch.

E-Book-Nutzer sind nach seiner Einschätzung „Unkultiviert, bequem, kontaktscheu und gierig“ und wollen mit der Zahl der Bücher auf ihrem Gerät nur angeben. Weiter heißt es „Nur mit einem echten Buch haben Sie im Urlaub die Chance auf ein Rendezvous.“. Die merkwürdige Logik hinter diesem Satz: Nur wenn man ein Buch in der Hand hält, fragen andere Menschen nach dem Lesestoff. Hat man dagegen einen E-Book-Reader in der Hand, würde man sich ja nur über die Anzahl der Bücher auf seinem Gerät unterhalten – nicht über den Inhalt. Letztes Argument für das echte Buch: Es könne überall gelesen werden – und nicht nur da, wo eine Steckdose sei.

Wer so einen Unsinn schreibt, hat vermutlich noch nie einen E-Book-Reader benutzt. Sonst wäre er überrascht, wie lange so ein Akku hält und wie praktisch es ist, mehrere Bücher für den Urlaub in einem so kleinen Gehäuse zu transportieren. Aber vermutlich schleppt der Autor in den Urlaub auch seine komplette Vinyl-Sammlung nebst Schallplattenspieler mit und packt für die kurze Recherche auch den Brockhaus in den Koffer.

Das lineare Fernsehen ist tot!

Ich erwische mich immer wieder dabei, beim Fernsehen wie selbstverständlich auf die Pause-Taste meiner Fernbedingung zu drücken, wenn ein Anruf kommt oder ich Durst verspüre. Ist das mal nicht möglich – weil ich nicht zu Hause vor dem Entertain-Receiver sitze – ärgere ich mich.

Und wenn ich heute den Fernseher einschalte, dann öffne ich fast immer  die Liste der aufgenommenen Sendungen, um dort mein TV-Programm auszuwählen. Je nach Lust und Zeit wähle ich dann eine Informationssendung wie das auslandsjournal oder einen Spielfilm, gestern Abend zum Beispiel Match Point. Nur Nachrichtensendungen werden live geschaut – und super selten mal ein Fußball-Spiel, jüngst Fortuna gegen Hertha. Das sind aber auch die wenigen Beispiele, in denen lineares Fernsehen Sinn macht. Nach Gefühl würde ich sagen: Ich gucke mehr Fernseher als früher – und viel gezielter.

Den Trend weg vom linearen Fernsehen befeuern die Kabel- und Telekom-Anbieter: Um die eigenen Umsätze zu steigern, bieten sie ihren Kunden digitale Videotheken und schenken ihnen nicht selten einen Receiver mit eingebauter Festplatte. Die Kabelanbieter ergänzen ihr Angebot um Telefon- und Internet-Zugängen und Telekom und Co fischen mit IPTV-Angeboten um neue Kunden.

Mein TV-Konsum ist sicher nicht repräsentativ – doch wundert es mich schon, dass die TV-Bosse diesen Trend so gekonnt ignorieren. Vertreter von Privat- und ÖR-Sendern werden nicht müde zu betonen, dass das lineare Fernsehen auch in zehn Jahren existieren werde.  Die Tagesschau beginnt also um 20 Uhr und sonntags trifft sich die Familie eine Viertelstunde später zum Tatort.

Machen wir uns nichts vor: Das Ende des linearen Fernsehens hätte gravierende Folgen für die Refinanzierung. Wenn ich eine Sendung später gucke, kann ich die Werbung ganz einfach überspringen. Blöd für Sender, deren Geschäftsmodell darauf basiert, das eine Mehrheit der Kunden die Werbung sieht. Es wird nicht lange dauern und die TV-Sender werden messen können, wie viele Kunden eine Werbung wirklich gesehen haben – und dann dürften die Preise ähnlich sinken wie heute schon bei Online-Werbung. Am Ende werden die TV-Sender neue Erlösquellen erschließen müssen. Werbung, die sich technisch nicht überspringen lässt oder Sendungen, die man nicht aufnehmen kann, sind keine Lösung. Medienwissenschaftler Bertram Gugl: „Die amerikanische Videoplattform Hulu hat tolle Modelle entwickelt: man kann Werbung bewerten, der User kann zwischen einem Werbeblock am Anfang oder Unterbrechungen währenddessen wählen, dafür sind die Inhalte gratis. Ein weiteres Beispiel sind Shows in den USA, die ihre Moderatoren die Werbung sprechen lassen.“ (Quelle: DerStandard.at)

Und auch die Kunden sind gefordert: Sie müssen entscheiden! Glotze anmachen und einfach berieseln lassen ist heute super einfach. In manchen Haushalten läuft so ein Fernseher dann den ganzen Tag – auch wenn keine spezielle Sendung läuft. Das mag für ältere Personen ein Problem darstellen – aber die Online-Generation kennt nichts anderes: Sie entscheidet ständig, welche Medien sie wie, wo und wie lange konsumieren.

TV-Sender hätten in der Welt des nicht-linearen Fernsehens durchaus ihre Daseinsberechtigung: Sie wissen, was ihre Zielgruppe sehen möchte und können ein entsprechendes Angebot vorhalten. Das erwarte ich von einem TV-Sender, denn ich habe keine Lust, mir bei Youtube alle paar Minuten neue Inhalte zu suchen. Ich wünsche mir aber, dass ein TV-Sender meine Erwartungen kennt und mich entsprechend auf Sendungen hinweist.

Update: Business Insider liefert weitere Argumente für ein Ende des bisherigen TV-Geschäfts. Der Autor glaubt, dass das TV-Geschäft eines Tages kollabieren wird – und nicht nach und nach zurückgeht. Es dauert also eine Weile, geht dann aber schnell.