Lokaljournalisten sollten das Internet lieben

Christian Lindner, Chefredakteur der Rheinzeitung in Koblenz/Mainz, hat für das Buch „Universalcode“ ein interessantes Plädoyer geschrieben, das Herausgeber Christian Jakubetz online gestellt hat: „Macht Content, kein Layout„. Seine These: Der Ganzseitenumbruch in der Redaktion raubt Lokaljournalisten zu viel Zeit für ihre eigentliche Hauptaufgabe: Das Schreiben guter Geschichten und das Sprechen mit den Leuten vor Ort.

Aus eigener Erfahrung (Freie Mitarbeit beim Solinger Tageblatt, Volontariat bei der Rheinischen Post) kann ich seine Forderung nur unterstützen: Gerade in Lokalredaktionen verbringen Journalisten viel Zeit mit dem „Spiegeln“ von Seiten und dem korrekten Zuschneiden von Fotos. Besonders ärgerlich empfang ich immer die Tatsache, dass ich „auf Zeile“ schreiben musste. Ich musste lernen, wenig Stoff auf 60 oder 80 Zeilen zu verteilen – oder eine spannende Geschichte auf 40 Zeilen zusammenschreiben zu müssen. Beides war sicher nicht im Interesse der Leser. Und immer wieder standen wir in der Redaktion vor dem Dilemma, mehr gute Bilder als Platz auf den Seiten zu haben.

Wer schon einmal einen Text mit WordPress oder einer anderen gängigen Blog-Software geschrieben hat, wird sich nur ungern wieder an ein Print-Redaktionssystem setzen, um dort nach dem eigentlichen Schreiben der Geschichte viel Zeit damit zu verbringen, sie korrekt auf die Seite zu setzen. Hier eine Zwischenzeile rein, dort ein Hurenkind raus. Entsprechend sollten Lokaljournalisten das Internet lieben. Gibt es Ihnen doch die Möglichkeit, ihren Content  schnell und ohne Umwege ins Netz zu stellen – um dann die nächste Geschichte in Angriff zu nehmen.

Die neu  gewonnene Zeit könnte man nutzen, um mehr mit den Lesern zu kommunizieren: Im persönlichen Gespräch – aber auch per E-Mail, Twitter, Google+ und Co. So entdeckt man neue Geschichten – und kann Fehler in älteren Artikeln korrigieren.

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