Alternativen für Thunderbird: Postbox, Sparrow und Mac Mail

Schlechte Woche: Google verkündet das Ende von iGoogle zum 1. November 2013 und Mozilla will den E-Mail-Client Thunderbird ab November nicht mehr weiterentwickeln. Für sechs Monate soll es Sicherheitsupdates geben, danach ist der Donnervogel Geschichte. 20 Millionen Nutzer – sagt Mozilla – müssen sich eine Alternative suchen. Offenbar ist man bei der Mozilla Stiftung fest entschlossen, das eigene Grab ein wenig schneller zu schaufeln. Denn auch um Firefox ist es nicht gut bestellt: Chrome gewinnt immer mehr Nutzer und das zu Lasten von Firefox. Kurios dabei: Google ist der Hauptsponsor der Firefox-Entwicklung – wohl aus politischen Gründen.

Für den Mac habe ich drei Alternativen für Thunderbird ausgemacht: Allen voran das Mail-Programm von Mac OS mit dem schlichten Namen „Mail„. Das Programm arbeitet mit POP3, Imap und Exchange 2010 zusammen – und ist kostenfrei auf jedem Mac zu finden. Apple hat dem Programm mit Lion ein Facelift spendiert und so dürfte das Programm vielen Ansprüchen genügen.

Sparrow

Eine Art „Twitter-Ansatz“ verfolgt Sparrow (Mac AppStore / Website), welches für Mac und iPhone verfügbar ist. Hauptvorteil der sehr durchdachten Anwendung ist das sehr kleine Posteingang-Fenster, welches eher an einen Twitter-Client als an ein E-Mail-Programm erinnert. Gerade auf großen Monitoren kann man so das Postfach quasi dauerhaft im Blick behalten – ohne zu viel Bildschirmfläche zu verschenken. Sparrow nutze ich seit mehreren Monaten für mein privates GMail-Postfach und das Programm wirkt sehr durchdacht und arbeitet zuverlässig. Die Labels von GMail werden übersichtlich angezeigt und die Suchfunktion arbeitet sehr schnell. Wer es klein und kompakt mag, sollte 7,99 Euro investieren. Eine Gratis-Version (Mac App Store) zeigt Werbung an und versieht jede gesendete Mail mit einem Werbe-Hinweis.

Postbox

Deutlich mächtiger – aber damit auch unübersichtlicher – sieht Postbox (für Mac und Windows verfügbar!) aus. Hinter dem Thunderbird-Konkurrenten steckt unter anderen Scott McGregor – bis 2007 Chefentwickler von Thunderbird. Ich habe das Programm erst gestern als Alternative zu Thunderbird – bislang mein Mailprogramm für das Pressekonditionen.de-Postfach – installiert und will es schon nach 24 Stunden nicht mehr missen. Viele Details wirken durchdachter als bei Thunderbird. So zeigt Postbox auf sehr schöne Weise eine Konversation an und lädt Attachments auf Wunsch direkt in die Dropbox. Das Programm kostet einmalig rund 23 Euro (30 US-Dollar) und ist jüngst in Version 3.0.4 erschienen. Für mich sehr wichtig: Das Plugin Quicktext – um Textbausteine zu benutzen – arbeitet in Thunderbird und Postbox. Für mich persönlich ein Killer-Kriterium, weil ich das Plugin seit Jahren benutze.

Thunderbird begründet den Tod von Thunderbird übrigens unter anderem damit, dass immer mehr User das Web-Frontend ihres Mailanbieters nutzen. Das mag aus meiner Sicht für Hobby-Nutzer sinnvoll sein, aber wer intensiv mit Mails arbeiten möchte, braucht auch in Zukunft ein Programm.

Update (13. Juli 2012): Die SparrowApp gibt es aktuell für 3,99 Euro im AppStore.

Update (20. Juli 2012): Das Sparrow-Team arbeitet künftig für Google und stellt die Entwicklung seines Mail-Clients ein.

20 Gedanken zu „Alternativen für Thunderbird: Postbox, Sparrow und Mac Mail“

  1. Netter Artikel! Kurze Frage zu Postbox: Hast du schon Erfahrungen mit der Darstellung von mit Postbox versendeten Mails in Outlook? Bekanntlich kommen Mails aus Apple-Mail oft mit zu großem Zeichensatz im Outlook an, was sich im Moment nur über ein Dritthersteller-Plugin lösen lässt. Wenn Postbox das Thema im Griff hat, wäre das eine echte Alternative.

  2. Als ich das letzte Mal Postbox (unter Windows) probiert hatte, funktionierte die Skriptunterstützung bei Quicktext nicht. Kannst du mal bitte nachschauen, ob es bei dir geht?

      1. Nein. Im Thunderbird gibt es einen Skripte-Tab, bei man man eigene Skripte (zum Beispiel zur Datumsberechnung) einbauen kann, auf deren Ergebnis dann man in der Vorlage von Quicktext zurückgreifen kann. Hier mal ein Screenshot. Das ist eigentlich der einzige Grund, warum ich noch nicht auf Postbox gewechselt bin.

          1. Danke fürs Ausprobieren. Es hat mir keine Ruhe gelassen, als hab ich jetzt nochmal mit der neuen Version von Quicktextpro und der aktuellen Demo von Postbox probiert und siehe da, es geht.

  3. Hallo!
    Hast du vielleicht heraus bekommen, wie man in MAIL eine html Signatur einstellen kann? Ich bin am verzweifeln und feunde mich gerade mit dem Gedanken an, dass es einfach nicht möglich ist.
    Vielen Dank und beste Grüße!

  4. Hallo,

    dieser Artikel beinhaltet leider ein paar inhaltliche Fehler, auf die ich hinweisen möchte, weil diese Fehler unnötige Panik bei Thunderbird-Nutzern verursachen.

    1. „Für sechs Monate soll es Sicherheitsupdates geben, danach ist der Donnervogel Geschichte.“

    Das ist nicht korrekt. Thunderbird wird nicht eingestellt und wird damit in sechs Monaten nicht Geschichte sein. Mozilla wird am 20. November Thunderbird 17 veröffentlichen. Ab dann greift ein neues Release- und Governance-Modell, welches besagt, dass Mozilla selber nicht mehr aktiv Features entwickeln wird, aber weiter für Sicherheits- und Stabilitätsupdates sorgen wird. Die Entwickler-Community wird weiter Verbesserungen entwickeln können, welche auch in Zukunft in Thunderbird einfließen werden. Thunderbird hat bereits – vor dieser Ankündigung – kaum eigene Entwickler, es werden bereits große Beiträge durch die Community geleistet wie das Instant Messaging und die derzeit in Arbeit befindlichen Verbesserungen bei der GMail-Integration oder App Tabs.

    2. „20 Millionen Nutzer – sagt Mozilla – müssen sich eine Alternative suchen.“

    Genau das sagt Mozilla eben nicht, sondern eigentlich eher das Gegenteil. Mozilla betont ausdrücklich, dass Thunderbird nicht eingestellt wird. Welchen Grund sollte es geben, sich eine Alternative zu suchen, wenn es weiter Sicherheits- und Stabilitätsupdates gibt und man mit dem, was Thunderbird kann, zufrieden ist? Richtig. Gar keinen.

    Zur genannten Alternative Postbox sollte man im Hinterkopf behalten, dass dafür nicht nur ein ehemaliger Thunderbird-Entwickler mitverantwortlich ist, Postbox basiert auf Thunderbird. Mir wird zudem ein Preis von 10 Dollar und nicht von 30 Dollar auf der Webeite angezeigt. 😉

    Anderes Thema:

    „Denn auch um Firefox ist es nicht gut bestellt: Chrome gewinnt immer mehr Nutzer und das zu Lasten von Firefox.“

    Dass es um Firefox nicht gut bestellt sei, unterschreibe ich nicht. Tatsächlich hat Mozilla mit Firefox in den letzten Monaten sehr vieles richtig gemacht. Aber: Man darf nicht vergessen, dass Google Chrome mit aller Macht durchdrückt. Opera-User werden in Zukunft keine Freude mehr auf blogger.com haben, Offline-Funktionalitäten der Google-Services sind nur mit Chrome möglich (obwohl es technisch keinen Grund gibt, das auch in anderen Browsern zu ermöglichen), aggressive Werbung für Chrome in der weltweit dominierenden Suchmaschine etc. Gegen Marktposition und Geld gibt es keine Mittel.

    1. Freue mich über das lange Feedback und antworte natürlich gerne.

      zu 1: Wenn Mozilla für Thunderbird nur noch Sicherheitsupdates veröffentlicht – dann ist das auf jeden Fall der Anfang vom Ende. Denn eine konsequente Weiterentwicklung sieht halt anders aus. Ich war persönlich überrascht, wie bequemer das Arbeiten mit Postbox ist. Für mich ein Beweis dafür, dass in Thunderbird nicht mehr in der Konsequenz entwickelt wird wie bisher.

      zu 2: Wie schon bei 1 gesagt, sind Sicherheitsupdates keine Weiterentwicklung sondern bestenfalls ein Halten des Niveaus. 30 US-Dollar ist auch der Preis, den ich im Beitrag nenne. Sparrow ist günstiger!

      zu 3: Es ist unstrittig, dass Google mit seiner Marktmacht Chrome zum neuen Standard machen will. Es bietet offenbar viele Vorteile, wenn man als Suchmaschinenbetreiber auch gleich den Browser liefert. Aber: Mozilla wird noch immer erheblich durch Google-Mittel finanziert und hat es nicht geschafft, sich von diesem Tropf loszueisen. Man hängt also quasi am Fliegenfänger und ist abhängig von der Firma, die dem Hauptprodukt aggressiv Konkurrenz macht. Mich hat Firefox mit den Dauer-Updates verloren, die immer wieder dazu führten, dass Plugins zeitweise nicht funktionierten.

      Fassen wir zusammen: Thunderbird wird ab November nur noch auf freiwilliger Basis weiterentwickelt und das ist zumindest der Anfang vom Ende. So hat es nebenbei auch heise.de formuliert – die Zeile aber inzwischen in „Mozilla kürzt Unterstützung für Thunderbird“ geändert.

      1. Hallo,

        ich sehe nicht, wieso es so klar der Anfang vom Ende sein soll. Mehr als die Hälfte der Top10-Kontributoren von Thunderbird sind bereits keine (!) bezahlten Mitarbeiter von Mozilla. Viele der Features kommen längst von Nicht-Mozilla-Entwicklern.

        Dass Thunderbird nicht mehr in der Konsequenz entwickelt wird wie bisher kann über die letzten Monate in jedem Fall nicht gesagt werden. Thunderbird hat zuletzt seinen zweiten Frühling erlebt wenn man so will. Endlich Arbeiten am neuen Theme, Instant Messaging, Anbindung an Cloud-Dienste, … das macht die Meldung überraschender. Aber Grund zur Schwarzseherei gibt es nicht. Natürlich wird das spürbare Auswirkungen haben. Aber es wird weiter Neuerungen in Thunderbird geben.

        Und ein Halten des Niveaus wäre für die meisten der 20+ Millionen Thunderbird-Nutzer auch ausreichend. Ein E-Mail-Client muss nicht auf Teufel komm raus mit Innovationen gefüttert werden. Natürlich gibt es noch viele Dinge, die schön wären, wenn sie verbessert würden, aber sie sind weder zwingend notwendig, noch sagt jemand, dass diese Änderungen nicht kommen werden.

        Zu Postbox: Ja, ich weiß, dass hier auf der Seite 30 Dollar steht. Auf der Seite von Postbox steht aber 10 Dollar. 😉

  5. Post Me wäre noch eine Alternative; bietet u. a. Textbausteine.
    Ich weiss aber nicht, ob das Programm für den Mac verfügbar ist.

    HTML-Email mit Thunderbird
    ——————————————–
    Man kann – für das ganze Konto oder auch für einzelne Nachrichten – einstellen, ob die als Reintext oder HTML (oder auch beides zusammen) verschickt werden sollen.
    Wenn man eine HTML-Signatur anhängen will, muss also die ganze Nachricht als HTML geschickt werden.

  6. Hallo 🙂

    Kurz aussen vor, Postbox wird tatsächlich zur Zeit für lediglich US $ 9,95 angeboten. Wer (rechts aussen am Browserfenster, roter Hinweis) Werbung für das Programm auf Twitter oder Facebook macht, sprich einmalig einen Link teilt, kann noch einmal US $ 5,00 sparen.

    Mein Tipp, erst downloaden, antesten und dann kaufen, macht aber einen sehr genialen Eindruck.

    Muss aber gestehen, dass Sparrow meine erste Wahl gewesen wäre, wenn es das auch für den PC gebe 🙂

  7. Postbox als Thunderbird-Alternative anzupreisen ist wohl eher ein Gag, oder? Thunderbird ist kostenlos, Postbox nicht. Außerdem basiert Postbox auch noch auf Thunderbird.

    Ja, die Panikmache, dass es den Donnervogel bald nicht mehr geben wird, ist unsinnig und vor allem unnötig. Möchte nicht weiter darauf eingehen, weil einige Vorschreiber dies schon taten.

    Kurzum: Der Artikel ist irgendwie „daneben geraten“…

    1. Postbox kostet 30 US-Dollar (aktuell sogar nur 10 US-Dollar) und ich finde, dies ist für eine sehr gutes Programm, welches man jeden Tag benutzt zu verschmerzen. Außerdem sichere ich mir damit die Gewissheit, dass das Programm weiterentwickelt wird, weil auch Einnahmen fließen. Dies war bei Thunderbird nicht der Fall – und wir sehen jetzt das Ergebnis. 🙂

      Für mich ist die Ankündigung von Mozilla der Anfang vom Ende für Thunderbird. Das Ding wird nicht konsequent weiterentwickelt und ich finde, dies sieht man dem Programm auch an. Postbox ist viel besser für GoogleMail angepasst als Thunderbird – das nur ein Beispiel.

  8. Ich nutze Postbox auch und finde es super. Freute mich eigentlich schon das fluent.io startet, das Projekt wurde aber leider eingestellt. Vielleicht greift es ja jemand auf und führt die Arbeit fort. Das Chat Layout bei E-Mails find ich auf jeden Fall gelungen.

  9. Leider hat Postbox – für mich/uns – zwei KO-Kriterien:

    1) Keine vernünftige Synchronisation der Adressbücher mit Google. Das angebotene Zindus AddOn ist ausgesprochen schlicht (alles oder nichts) und wird auch seit Ende 2009 nicht mehr gepflegt.

    2) Das Einbinden von externen, zentral verwalteten HTML-Signaturen ist nicht möglich – so wie zum Beispiel mit Sinature Switch in Thunderbird.

    An sonsten hat mir die Software spontan sehr gut gefallen. Wirkt beim ersten Öffnen so, als wären über Nacht die Heinzelmännchen in meinem Thunderbird gewesen. Gab auch keinerlei Rätsel auf.

    Schade wegen der KO-Kriterien.

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