Kann sich Google einen Sprach-Steuerung wie Siri nicht leisten?

Der Sprachassistent Siri (Erklärvideo auf Apple.de) ist der Clou des neuen iPhone4s: Erstmals kann der Nutzer mit seinem Telefon sprechen und fragen, wo die nächste Pizzeria ist oder ob er einen Regenschirm mitnehmen sollte. Was einfach klingt, ist das Ergebnis komplexer technischer Prozesse: Jede Anfrage wird an die Apple-Server im neuen Rechenzentrum geschickt und von dort beantwortet.

Verschiedene Blogs haben sich nun mit der Frage auseinander gesetzt, warum Google („Das Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen.„) nicht selbst einen solchen Dienst anbietet. Schließlich ist man im Bereich der Suche Marktführer und bietet für Android eine Spracherkennung an.

Matthias Schrader rechnet in seinem Blogpost vor, dass eine Siri-Anfrage vermutlich einen US-Cent kostet. Wird Siri pro Tag 10 mal genutzt, ergibt das über drei Jahre 10.950 Anfragen und damit Kosten von 109 US-Dollar. Apple kann sich solche Kosten leisten, weil das iPhone mit einer Marge von 70 Prozent verkauft wird. Google offenbar nicht, denn Android hat inzwischen zwar einen Marktanteil von 48 Prozent – aber Google verschenkt das Betriebssystem und verdient nur damit Geld, das Android-Nutzer besonders viele Google-Dienste nutzen können.

Die schicke Siri-Oberfläche liefert aber lokale Suchergebnisse und Wetter-Informationen ohne die sonst bei Google gewohnten Adwords-Anzeigen. Monetisiert wird Siri also indirekt über die Handy-Verkäufe und nicht über eine Nutzungsgebühr oder eine Vermarktung. Blöd für Google, denn genau darauf beruht seit Jahren das sehr erfolgreiche Geschäftsmodell.

Vor dem Hintergrund kann man nachvollziehen, dass der Android-Chef Andy Rubin erklärte, das Handy sei kein persönlicher Assistent. Statt mit dem Telefon zu sprechen solle man das Gerät benutzen, um mit anderen Menschen zu sprechen. (Klingt nebenbei wie der uralte Nokia-Slogan „Connecting people“). Der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt dagegen glaubt, dass Siri eine bedeutende Entwicklung für das Search-Business sei.

Inzwischen wissen wir, dass der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs nach dem Start von Android höchst undiplomatisch reagierte und den neuen Konkurrenten „zerstören“ wollte. Das wird Siri sicher nicht schaffen, dafür nutzen wir alle zu viele Google-Dienste. Aber Siri zeigt zum ersten Mal, dass eine neue Such-Erfindung nicht zwingend von Google kommen muss.

Update (23. Mai 2015): Der Blogpost von Matthias Schrader ist leider nicht mehr online, weshalb ich den Link entfernt habe.

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