Meine Backup-Strategie mit Synology NAS, Arq, Amazon S3 und HiDrive

Ich gebe zu: Beim Thema Backups bin ich paranoid! Fotos, private Videos und Dokumente dürfen unter keinen Umständen verloren gehen, weil sie für mich persönlich unersetzlich sind. Deshalb habe ich über die Jahre meine Backup-Strategie immer wieder verfeinert und darauf geachtet, dass die Daten sicher und vollautomatisch (!) gesichert werden.

Lokale Datensicherung: Time Machine und Time Backup

Um gegen das versehentliche Löschen von Dateien geschützt zu sein, sichere ich mein MacBook Air mit TimeMachine. Lange Zeit nutzte ich hierfür eine 2 TByte USB-Festplatte von Western Digital. Damit waren Sicherungen aber leider nur möglich, wenn das Notebook auf dem Schreibtisch stand und mit der Festplatte verbunden war. Deshalb sichere ich die Daten nun per TimeMachine auf das Synology NAS 213+, per LAN oder WLAN.

Auf dem NAS (mit zwei 3 TByte-Festplatten, die gespiegelt werden!) lagern ältere Fotos und Videos, die ich nebenbei für Freunde zum Abruf bereitstelle. Für die lokale Datensicherung der NAS-Daten nutze ich das Synology-Paket „Time Backup“, welches von Time Machine „inspiriert“ wurde. Für die Backups hängt am NAS die externe 2 TByte-Festplatte, die ich nicht mehr für TimeMachine benutze.

Auf diese Weise sind die Daten zu Hause auf mindestens drei Festplatten (lokal im Rechner und auf dem NAS bzw. auf dem NAS und auf der externen Festplatte des NAS) gesichert und im Ernstfall könnte ich die Daten aus den stündlichen Backups zurückholen.

Entfernte Datensicherung: Arq, S3 und HiDrive

Als vor ein paar Jahren bei einem Kollegen eingebrochen wurde und die Diebe Notebook sowie Backup-Festplatte mitnahmen, habe ich angefangen, meine Daten auch außerhalb der eigenen vier Wände zu sichern. Zunächst mit Mozy, weil die EMC-Tochter Privatkunden für 5 US-Dollar/Monat unbegrenzten Speicherplatz anbot. Als Mozy den Speicherplatz auf 50 GByte begrenzte, bin ich zu Amazon S3 gewechselt. Dort kostet 1 GByte 0,095 US-Dollar/Monat, so dass man 100 GByte für rund 10 US-Dollar sichern kann. Die eigentliche Datensicherung übernimmt die Mac-Software Arq, die einmalig 30 US-Dollar kostet und stündlich die Änderungen zu S3 sichert. Da der Speicher bei Amazon teuer ist, nutze ich Arq und S3 nur für Dokumente und die wichtigsten Fotos. (Arq unterstützt auch Glacier, wo 1 GByte nur 1 US-Cent/Monat kostet!)

Das Synology NAS unterstützt eine Datensicherung zu S3, Glacier und HiDrive, wobei sich HiDrive aus drei Gründen als die beste Lösung herauskristallisiert hat:

  1. Die Strato-Server stehen in Deutschland, weshalb die Daten dem deutschen Datenschutz unterliegen.
  2. Die Verbindung zu den Servern in Berlin ist sehr schnell. Bei meinem VDSL50-Anschluss kann ich die volle Bandbreite von 10 Mbit/s Upload ausschöpfen.
  3. HiDrive erlaubt einen einfachen Zugriff per FTP und die Daten liegen in der selben Verzeichnisstruktur auf dem HiDrive-Laufwerk wie auf dem lokalen NAS. Im Ernstfall müsste ich mich nicht mit proprietären  Datei-Formaten herumschlagen. Letzteren Vorteil bieten S3 und Glacier nicht – und dort nervte mich der extrem langsame Datei-Upload und die zumindest bei Glacier kaum verständliche Kalkulation der Kosten für den Download der Daten. HiDrive kostet 10 Euro/Monat für 250 GByte, aber dafür ist der Traffic komplett enthalten.

Kosten

Für die lokale Datensicherung nutze ich ein Synology NAS, welches in der Version 213+ inklusive WD-Red-Festplatten (für den NAS-Einsatz konzipiert!) rund 600 Euro kostet. An diesem System hängt eine externe Festplatte, die schon vorhanden war. Die Sicherung bei Amazon kostet mich rund 5 US-Dollar / Monat, weil nur rund 20 GByte gesichert werden und die Backups nur wenige Wochen in die Vergangenheit reichen. Der 250-GByte-Account bei HiDrive kostet 10 Euro/Monat, weil ich im Rahmen einer Aktion die ersten 12 Monate nicht bezahlen muss. Macht also 5 Euro/Monat über 24 Monate. Die entfernte Datensicherung kostet demnach zusammen rund 10 Euro/Monat.

Wer es günstiger mag und nicht gleich ein NAS anschaffen möchte, kann mittels Arq Daten auch zu S3 und Glacier (je nach Anspruch an die Verfügbarkeit) sichern. Alternativ bietet sich eine externe Festplatte an, die man regelmäßig an den Computer anschließen und sie dann bei Freunden oder in einem Bankschließfach deponiert. Diese Lösung hat allerdings den Nachteil, dass sie nicht automatisch funktioniert.

24 Gedanken zu „Meine Backup-Strategie mit Synology NAS, Arq, Amazon S3 und HiDrive“

  1. Danke für diesen Artikel. Lustigerweise bin ich – völlig unabhängig – zur genau gleichen Backup-Strategie gekommen: RAID-1 Mirroring, Time Backup an extern angeschlossenen HD, S3 für Dokumente und Fotos und (im Moment noch) Glacier für alles. So falsch kann unser Ansatz also nicht sein 🙂

    1. Und wie schnell arbeiten bei Dir S3 und Glacier? Letzteres war bei mir unerträglich langsam. Der zweite Nachteil von Glacier ist, dass das Rückholen der Daten alles andere als einfach und kostengünstig möglich ist.

      1. S3 ist ganz okay, der inkrementelle nächtliche Backup dauert jeweils nur einige Minuten für neue / geänderte Fotos und Docs. Aber ich würde sagen, dass mein 7.5 mbit/s Uplink ziemlich gut ausgenützt wird.
        Glacier ist eine andere Sache. Ich sichere knapp 300 GB. Die erstmalige Sicherung lief rund 10 Tage, zt. war der Link ausgelastet. zt. nicht. Viel störender ist aber, dass ein inkrementeller Backup jeweils mehrere Tage dauert, auch wenn nur wenige GB übertragen werden! Deshalb suche ich eine andere Lösung.
        Da ich nicht davon ausgehe, die Daten je restoren zu müssen, würde ich Kosten und Umstände in Kauf nehmen.

  2. Danke für die Infos, bin gerade dabei meine Backstrategie zu entwickeln. Grund ein Arbeitskollege sagte: „Es gibt zwei Typen von Nutzern. Die, die schon einmal ihre Daten verloren haben, und die, denen es noch bevorsteht.“

  3. Wird Hidrive von Strato gut gesichert? Ich erinnere mich an meinen GMX Pro Account, da war das Backup dort Geschichte udn das 1und1 Rechenzentrum gehört wohl auch nicht zu den Klitschen 🙁

    Ein wichtiger Aspekt ist auch eine Überspannungsschutz-Steckerleiste!

    1. Hallo,

      allein eine Steckerleiste ist kein ausreichender Schutz gegen Überspannungen, wie sie z. B. bei einem Blitzschlag auftreten.
      Laßt Euch mal von einem Elektrofachmann über Grobschutz und Feinschutz informieren 😉

      Grüße
      Christian

  4. Hi Sebastian,

    habe deine Seite gefunden, da ich gerade nach Infos zu Backup PC/NAS suche – interessant, vielen Dank! Ich hätte noch ein paar Fragen…
    o) Mein NAS ist so eingestellt, dass es nach einiger Zeit in Standby geht, wenn es nicht genutzt wird – wie läuft das dann mit der Datensicherung, fährt sich das NAS von selbst zur Datensicherung hoch?
    o) USB-Platte am DS213+ – läuft die Stromversorgung auch über die DS oder hat die USB-Platte eine eigene? Wenn eigene Stromversorgung, dann läuft die USB-Platte im Dauerbetrieb, oder?
    o) Remote-Backup: mein DSL ist schwachbrüstig, daher hatte ich die Idee, im Wechsel zwei verschiedene Platten an das NAS zu hängen und die andere an einen sicheren Ort zu bringen (Keller oder so). Ich nehme an, dass Time Backup inkrementelle Sicherungen anfertigt, sonst wäre die Menge ja riesig. Bei Wechsel der externen Sicherungsplatte müsste das Backup aber so erfolgen, dass es genau das Delta der jeweiligen Platte zum aktuellen Stand sichert- weißt du, ob das geht?
    o) kann man auf die externe Platte am NAS auch vom PC aus zugreifen? Es wäre ja praktischer, nicht für Sicherung PC und Sicherung NAS zwei USB-Platten zu verwenden, sondern nur eine?

    Würde mich freuen, wenn du dazu was sagen könntest – vielen Dank im Voraus!
    Viele Grüße
    Martin

    1. Die Antworten gebe ich gerne:

      1. Das NAS wacht für die Datensicherung auf und legt sich danach wieder schlafen.
      2. Die USB-Festplatte hat eine eigene Stromversorgung, aber das Synology-NAS kann auch USB-Festplatten mit Strom versorgen. Die externe Festplatte wacht nur auf, wenn sie für Datensicherungen benutzt wird.
      3. Ich weiß nicht, ob TimeBackup mit zwei Festplatten klar kommt. Synology hat aber eine weitere Datensicherungslösung an Bord, die genau das kann. Nutze ich selbst, um regelmäßig auf eine Festplatte zu sichern, die ich nicht in den eigenen vier Wänden lagere.
      4. Ja
  5. Hi Sebastian, danke!
    Bei (3) meinst du die „Datensicherung und -Weiderherstellung“ im Systemmenü?

    Viele Grüße
    Martin

    1. Genau die. Und wenn Du eine lokale Festplatte benutzt, kannst Du auch TimeBackup benutzen. Das Ding macht dann alle paar Stunden (einstellbar) Backups, ähnlich wie TimeMachine von Apple.

  6. Hallo Sebastian,

    ich habe mir ein paar von Deine Postings zur DS durchgelesen. Habe meine eigene DS 214 erst seit ein paar Tagen und bin noch ziemlich neu auf dem Gebiet der NAS‘.

    Ich hatte mir zur DS 214 gleich ein Bundle von 2x TB gekauft. Wollte nun aber nach dem Auspacken erst einmal eine bereits genutzte SATA Platte anschliessen und dort nutzen bzw. über die Netzwerkverbindung über Windows 7 auf die Daten zugreifen. Die DS will aber erst einmal alle Daten LÖSCHEN auf der alten SATA Platte, ist das richtig?

    Ich habe nun die zwei neuen/blanken Platten eingebaut und nutze nu alles als RAID1 mit sofortiger Spiegelung.

    Wie kann ich denn diese Spiegelung mal testweise prüfen, ob sie auch wirklich funktioniert? Einfach bei laufendem Betrieb eine der beiden Platten rausziehen? dann wieder reinstecken und die andere Platte ziehen?
    Nach meinem Verständnis, sollte ich ja dann bei beiden Versuchen immer auf meine Daten (sind ja gespiegelt) zugreifen können.

    Vielen Dan für Deine Hilfe!
    Heinz

    1. Wenn Ihr NAS einen Festplatten-Tausch im laufenden Betrieb erlaubt, könnten Sie die Spiegelung wie oben beschrieben testen. Allerdings kann es danach viele Stunden dauern, bis die Synchronisation wieder hergestellt ist. Es kann auch durchaus etwas schief gehen und dann wären die Daten eventuell weg. Ich würde das also nicht „nur zum Spaß“ mal ausprobieren.

  7. Erst einmal vielen Dank für Deinen Beitrag. Und Du bist nicht paranoid :-).

    Ich habe auch eine Synology DS212+ 2 3TB Festplatten (WD-RED) und sichere teilweise auf Hi-Drive und auf einer externen Festplatte.

    Ich bastel Linux-mäßig häufig an der Synology rum, baue externeThermosensoren ein usw. (siehe meinen Blog)
    Die Backups sichern meiner Meinung nach aber nur die Ordner aber nicht das ganze System.

    ich bin jetzt hingegangen und habe eine weiter 3 TB Festplatte gekauft, nehme 1mal im Monat die erste Festplatte aus der Synology und clone diese mit meiner Icybox-Dockingstation: http://blog.moneybag.de/icybox-ib-120cl-u3-kopierstation-fur-festplatten-ein-erfahrungsbericht/
    einfach die Festplatte.

    Falls mal das Mainboard abraucht und beide Platten zerstört, könnte ich (gleiches Synology-Modell voraussetzend), diese Festplatte wieder einsetzen. Dadurch entfällt die Installationsorgie insbesondere dgkp usw.

    Was hälst Du davon?

    1. Klar, die Sicherung zu HiDrive sichert nur die reinen Daten, aber das reicht mir. Denn das HiDrive-Backup ist eh für das Worst-Case-Szenario: Wohnung brennt ab, Daten alle platt. Für die normale Sicherung der Daten reicht mir die externe Festplatte, die ich an das NAS angeschlossen habe. Ich bin mir nicht sicher, ob das ständige „Zerstören“ der Spiegelung durch einstecken einer neuen Festplatte nicht ein größeres Risiko dargestellt.

  8. Bin gerade über deinen Beitrag gestoßen, da ich dringend eine Backup-Strategie benötige. Erst kürzlich ist mir meine externe „Time Machine“-Festplatte abgeraucht.

    Ich habe eine Frage zu deinem NAS. Verstehe ich das richtig, dass du dort zwei Partionenen hast? Eine für „Time Machine“ und eine als „Datensammlung“ für die älteren Fotos etc., die nicht mehr auf deinem Rechner liegen?

    Danke und Grüße

    1. Nein, ich habe nur eine Partition. Der User, den ich bei der TimeMachine angebe, hat in seinem User-Account eine Obergrenze beim nutzbaren Speicherplatz. Darüber regle ich das.

  9. Danke für den super Artikel! Die Infos haben mir sehr geholfen. Vorallem, das Glacier wohl momentan keine gute Lösung ist. Hier wäre doch das beste wenn man direkt aus Google Drive oder Dopbox zu Glacier Backen könnte. Damit man nen schnellen Upload und ne günstige Langzeitarchivierung hat. Zum Beispiel für Video Files.

  10. Hallo danke für den tollen Artikel. Gibt es eigentlich eine Möglichkeit die Backups geben einen Netzwerkshare zu fahren? Sprich ich hab da noch ein weiteres NAS (nicht Syno) und möchte dort die Backups speichern?

  11. Danke auch von mir für Deinen Erfahrungsaustausch: Ich kann Vieles bestätigen und komme zu einer ähnlichen Backupstrategie wie Du. Online nutze ich Strato, weil es über die App oder als HyperBackup am besten und zuverlässigsten funktioniert und zudem mit derzeit (Aktion) 7,50€ für 1TB Speicher/monatlich auch echt günstig ist.
    Dennoch würde ich am liebsten Microsoft Onedrive nutzen, denn davon habe ich 1TB kostenlos als Teil der Office 365 Subscription. Ich mache darauf derzeit ein File by File Backup über DSM/Cloud Sync, aber das ist nicht so sehr zuverlässig.

    Meine Frage: Kennst Du eine Möglichkeit, das NAS vollständig auf OneDrive zu sichern z.B. via spezielle Einstellung von Cloud Sync? Bisher wird das ja leider nicht von Hyper Backup direkt unterstützt, da wird ja MS Azure, Amazon S3 etc. angeboten, aber eben kein MS OneDrive und noch gibt es keine zu HiDrive vergleichbare App.

    Ich nutze eine 216play mit 2x4TB RAID.

    1. 1 TB für 7,50 Euro bei Strato klingt gut, aber leider sind solche Aktionen in der Regel zeitlich befristet. Ich sichere inzwischen zu Amazon Cloud Drive. Kostet 70 Euro pro Jahr und bietet unbegrenzt viel Speicherplatz. Dort habe ich inzwischen 1,3 TByte liegen. Damit fällt Strato als Alternative flach.
      Mit One Drive habe ich mich bisher nicht beschäftigt. Statt Cloud Sync könntest Du mal Hyber Backup versuchen.

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